Die aus Dänemark stammenden Künstlerinnen Nina Beier (1975) und Marie Lund (1976) präsentieren The Object Lessons in De Vleeshal. Dies ist die erste Ausstellung in den Niederlanden des Künstlerinnen-Duos, das seit 2003 zusammenarbeitet.
Beier und Lund haben ihre Performances, konkreten Objekte und immateriellen Interventionen auf die Anwesenheit von Geschichte in (bereits bestehenden) Materialien und Kontexten basiert. Ihr Werk spielt sich in zunehmendem Maße in der Phantasiewelt zwischen Konzeption, Wahrnehmung und Interpretation ab. Bei früheren Ausstellungen wurde mit „work in progress” der flüchtige Charakter betont und versucht, die Vergangenheit zu reproduzieren.
Für das Werk Autobiography (If these walls could speak) wurden die Mitarbeiter einer Galerie gebeten, alle durch früher ausgestellte Werke verursachten Löcher in den Wänden, an die sie sich erinnern konnten, freizulegen. Die Löcher verkörperten die (gespenstige) Anwesenheit früherer Ausstellungen. Bis zum Ende bildete das Werk eine Art Ritual, in dem die alten Ausstellungen erneut existierten, woraufhin der Prozess umgekehrt wiederholt wurde. Die Darstellung von Vergangenheit ohne ihren ursprünglichen Kontext spielt bei dem Werk Archives (World Peace) eine Rolle. Alte Peace-Poster wurden doppelt gefaltet (mit der Abbildung an der Innenseite), eingerahmt und aufgehängt. Dass nichts von Dauer ist, verdeutlicht das Werk (Calling) Loss and Cause. Von Skulpturen, die aus öffentlichen und privaten Sammlungen verschwunden sind, wurden provisorische Reproduktionen angefertigt. Die Modelle aus ungebranntem Ton werden zerstört, sobald die Originale wieder auftauchen.
In De Vleeshal, einem monumentalen Ort, dessen Vergangenheit durch Bau, Zerstörung und Wiederaufbau geprägt ist, erkunden die einzelnen Werke ihre eigene (zeitliche) Entwicklung und unterschiedlichen Ebenen der Präsentation und Repräsentation. The Remains (The Making of) ist beispielsweise ein maßstabgetreues Modell der Ausstellung, das im Laufe der Ausstellung aus Kalkstein geschaffen wird. Es verkörpert den einzigartigen Moment des Schaffens, Ausstellens und Betrachtens.
Die einzelnen Werke von The Object Lessons finden ihren Anfang zwar in einer konzeptuellen Idee, sie ändern sich jedoch durch die Konfrontation mit dem Raum oder dem Publikum, wobei das Ergebnis ungewiss ist. Dies soll eine Struktur bewirken, die einen unvoreingenommenen Blick ermöglicht. Die Werke sind von den Betrachtern und den Räumlichkeiten abhängig, die bei der Bedeutungsgebung eine ausschlaggebende Rolle spielen. Da die Betrachtung und Interpretation durch den Zuschauer so wichtig ist, scheint diese Ausstellung ein abgeschlossenes Ziel generell in Frage zu stellen.
Der Augenblick, die Entwicklung und der Entstehungsprozess sind wichtiger als ein feststehendes Endergebnis. Die Werke präsentieren sich selbst als Rituale, die auf unterschiedliche Weise das Verstreichen der Zeit festhalten, und die die Wirkung dieser Zeitlichkeit auf das Material und die Bedeutung betonen.
Beide Künstlerinnen studierten am Royal College of Art in London und werden von den Galerien Croy Nielsen in Berlin und Laura Bartlett in London vertreten.
Frühere Arbeiten wurden unter anderem in Hayward und Tate Modern in London, MART in Trento/Rovereto, Skuc Gallery in Ljubjana, Betonsalon in Paris und in verschiedenen Galerien und Ausstellungsräumen in Mulhouse, Hannover und Zürich ausgestellt.
Website: Nina Beier & Marie Lund

