, 26 Juni - 12 September, , curator: Lorenzo Benedetti

Die Ausstellung Psychosculptures untersucht eine konzeptuelle Dynamik, die mit der Aufmerksamkeit für die Form und die Ästhetik einhergeht, die durch neue Untersuchungen in der Bildhauerei gekennzeichnet wird. Auf der Ausstellung werden sieben Künstler vorgestellt, die einen unterschiedlichen künstlerischen Kurs verfolgen, jedoch alle die Form als das Endergebnis einer Serie vorangegangener Ausgangspunkte und Dynamiken betrachten, die häufig unsichtbar, unerklärlich und absurd sind und den Betrachter im Hinblick auf das Werk zwingen, selbst den nächsten Schritt zu unternehmen. Einen zusätzlichen Wert verleiht diese Notwendigkeit, mit dem Ablauf mitzudenken, den das Kunstwerk durchlaufen hat und durch den es seine Bedeutung erhält. Indem das Werk als Ergebnis eines größeren Prozesses betrachtet wird, können wir es in eine komplexere Zeit-Raum-Dimension stellen.

Millionen Touristen reisen um die Welt auf der Suche nach neuen Geschichten, Bildern und Orten, die innerhalb der kollektiven Vorstellung bestehen: das Ziel von Pilgerfahrten und Ritualen. Das ist der Kontext, in dem der deutsche Künstler Mandla Reuter eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Welt, den Trevi-Brunnen in Rom, als Ausgangspunkt nimmt. Fünftausend Liter Wasser werden aus dem Brunnen gepumpt und in industrielle Fässer befördert. Dieses Werk stellt Fragen über die Dekontextualisierung eines weltberühmten Denkmals, indem dessen Inhalt an einen anderen Ort gebracht wird. Rossella Biscotti und Kevin van Braak stellten gemeinsam eine Reihe von Bronzeskulpturen her. In diesen Werken ist der Transformationsprozess von der einen Form in die andere mit der Verschiebung zwischen zwei entgegengesetzten Ideologien identisch. Die vier Skulpturen stellen nämlich die „Umsetzung“ von vier Standbildern in Litauen dar, die Lenin, Marx, Stalin und der litauischen Heldin Melnikaitė gewidmet sind. Das Gewicht ist genau wie das Material gleich, nur die Form wurde geändert. Der belgische Künstler Gert Robijns präsentiert auf dieser Ausstellung das Werk Onverschillig-indifférent. Zwei weiße Audis vom gleichen Typ stehen nebeneinander geparkt, gegenüber einer Mauer mit zwei Öffnungen in Höhe eines der beiden Autos. Das Licht fällt hindurch und beleuchtet den angrenzenden Raum. In der Vorstellung von David Adamo tauchen narrative Elemente in Objekten auf, die durch Gewalttaten oder Nachlässigkeit physischen Transformationen unterzogen wurden. Seine Werke sind häufig das Ergebnis von Performances, d.h. Handlungen, die ihre physischen Spuren in Objekten hinterlassen haben, die materiell vernichtet wurden. Der österreichische Künstler Christoph Weber zeigt in seinen Werken den historischen und physischen Prozess, in dem Materie und Ort zusammenkommen. Für die Ausstellung präsentiert er Werke, die einen Abdruck des Kopfsteinpflasters der Straße bilden, in der während der Pariser Kommune im Jahr 1871 die letzte Barrikade errichtet wurde. Der Abdruck wurde auf Papier festgelegt, das aus einer vorangegangenen Zeit stammt. Paolo Chiasera präsentiert ein Gemälde mit dem Titel Black Brain 1, das während der Quadriennale von Rom ausgestellt und anschließend in einen großen Zylinder aus spiegelndem Stahl gestellt wurde. Die vollkommene Zylinderform ist die letzte Konsequenz des anderen Werkes, das darin verborgen liegt. Die Form bezieht sich also auf das Prinzip des „mémoire pure“. Die Außenwelt spiegelt sich und wird darin sichtbar, während der Inhalt des Zylinders in den Mantel der Vergessenheit gehüllt ist.

Die Ausstellung besteht aus Werken, die nur einen Teil ihrer selbst zeigen und vom Betrachter verlangen, an ihre Existenz zu glauben: Formen mit einer metonymischen Beziehung zur Wirklichkeit; verborgene, unsichtbare Teile des Ganzen, die von den Skulpturen suggeriert, aufgerufen werden, aber bei denen weitere Möglichkeiten und Potenziale des Kunstwerks offengelassen werden. Der Ausstellungsraum ist lediglich der Ausgangspunkt einer größeren Realität.